Makrolinsen (Close-Up-Linsen)
Bei mir kam der Wunsch nach Makroaufnahmen auf, nachdem ich Schmetterlinge im Schmetterlingspark zu Schloß Sayn gefilmt hatte und feststellen musste, dass meine Sony Videokamera zwar hervorragende Zoom-Fähigkeiten besitzt, aber im Nah-, also Makrobereich eher schwach ist. Ein Mitglied aus meinem damaligen Filmclub hatte extrem detailreiche und gestochen scharfe Nahaufnahmen. Dabei war seine Kamera auch nicht besser als meine. Auf meine Nachfrage wie er das hinbekommen hat, bekam ich nur die Antwort: "Mit einem speziellen Objektiv." Ja Danke!
Also habe ich mich selber auf die Recherchereise begeben und bin dann auch schnell fündig geworden. Es gibt recht günstige Makrolinsensets. Die Stärke der Makrolinsen wird wie bei einer Brille in Dioptrien angegeben. Und genau wie eine Brille funktioniert das dann auch. Der Fokusabstand verringert sich. Man kann also näher an das Objekt ran und der Autofokus oder auch per manueller Fokuseinstellung passt sich an.
Mit den Makrolinsen kann man extrem nah an sehr kleine Objekte ran und bekommt meist auch gestochen scharfe Bilder. Wenn man mehrere Linsen kombiniert, nimmt die Randschärfe allerdings ab. Aber wenn das Objekt der Begierde in der Mitte gut ins Bild passt, kann man das verschmerzen, finde ich.
Wenn du Insekten filmen willst, solltest du bedenken, dass viele Insekten, vor allem Fluginsekten, eine Fluchtdistanz haben. Unterschreitet man die, fliegen sie weg. Versuch macht klug! Du solltest die Kamera auf ein Stativ setzen. Hektische Bewegungen erzeugen u. U. auch einen Fluchtimpuls. Bei extrem nahen Makroaufnahmen verhindert man so auch, dass das Objekt der Begierde evtl. zu nah an den Bildrand kommt und dadurch unscharf wird.
Da Makrolinsensets meist aus vier Linsen bestehen, wird man wahrscheinlich keine finden, die man magnetisch, einfach mal schnell, vor die Kamera machen kann. Da ist ein Schraubgewinde die erste Wahl. Dafür musst du wissen, wieviel mm Durchmesser dein Filtergewinde an der Kamera hat. Meist steht das auf dem vorderen Ring drauf. Wenn nicht, hilft ein Blick ins Handbuch.
Sinnvoller Einsatz
Für extreme Nahaufnahmen mit Objektiven, die keine Makrofunktion haben.
Ideal für Details von Insekten, Pflanzen, technischen Bauteilen usw.
Günstige Sets (z. B. +1, +2, +4, +10 Dioptrien) bieten flexible Vergrößerungen.
Einfluss auf die Aufnahme
Reduziert den Mindestfokusabstand stark.
Ermöglicht Nahaufnahmen mit schöner Hintergrundunschärfe (Bokeh).
Je höher die Dioptrienzahl, desto kleiner der Fokusbereich (geringe Tiefenschärfe).
Mögliche Fehler
Chromatische Aberration und Randunschärfen, vor allem bei günstigen Linsen.
Verzeichnung oder Bildverzerrungen am Bildrand (besonders bei +10).
Fokusprobleme bei Zoom-Objektiven – Fokus ändert sich beim Zoomen.
Physikalisch-optische Grundlagen
Makrolinsen wirken wie zusätzliche Sammellinsen mit positiver Brennweite.
Sie verkürzen die Gesamtbrennweite des Systems → Objekt kann näher fokussiert werden.
Die Dioptrienzahl entspricht dem Kehrwert der Brennweite in Metern (z. B. +4 = 0,25 m Brennweite).
Was passiert, wenn man Makrolinsen kombiniert?
Makrolinsen funktionieren wie Lesebrillen: Je stärker die Dioptrienzahl, desto kürzer die Naheinstellgrenze. Wenn du mehrere kombinierst (z. B. +2 und +4), addieren sich die Werte:
+2 + +4 = +6 Dioptrien
Das funktioniert grundsätzlich gut, aber:
Worauf kommt es bei der Reihenfolge an?
Die Linsen sind in der Regel nicht perfekt optisch korrigiert – vor allem günstige Sets. Wenn du sie falsch kombinierst, kann es zu folgendem kommen:
Randunschärfen
Chromatische Aberration (Farbsäume)
Vignettierung (dunkle Bildecken)
Empfohlene Reihenfolge:
Schwächste Linse (kleinste Dioptrienzahl) zuerst aufs Objektiv
→ z. B. +1 direkt an die Kamera
Dann aufsteigend: +2 → +4 → +10
Warum?
Die schwächeren Linsen haben in der Regel einen größeren Linsendurchmesser und eine flachere Krümmung. Wenn diese näher am Objektiv sitzen, verbessern sie das Zusammenspiel der Lichtstrahlen mit dem Sensor. Außerdem verringert das die Gefahr von Reflexionen zwischen den Linsen.
Praxistipp:
Teste deine Kombinationen mit einem Testmotiv (z. B. Lineal oder Zeitung).
Vergrößerungen mit mehr als +10 Dioptrien wirken oft weich – also lieber nur 1–2 Linsen kombinieren.
Für beste Ergebnisse: Einzeln nutzen oder hochwertige Linsen kaufen.
Formel: Naheinstellgrenze mit Makrolinse
Wenn dein Objektiv auf unendlich fokussiert ist (also der normale Fokus ohne Makrolinse), dann gilt:
Naheinstellgrenze=1D\text{Naheinstellgrenze} = \frac{1}{D}Naheinstellgrenze=D1
Dabei ist:
D = Dioptrienzahl der Makrolinse
Die Einheit ist Meter
Beispiele:
Dioptrien Naheinstellgrenze
+1 1,00 m
+2 0,50 m
+4 0,25 m
+10 0,10 m
Wenn du mehrere Linsen kombinierst, addierst du die Dioptrienwerte:
z. B. +2 und +4 = +6 Dioptrien
→ Naheinstellgrenze = 1 / 6 = 0,167 m = 16,7 cm
Wichtig:
Diese Berechnung gilt nur, wenn dein Objektiv auf unendlich fokussiert ist.
Wenn du näher als diese Grenze heranrückst, wird das Bild unscharf.
In der Praxis: Fokussiere auf unendlich und bewege die Kamera vorsichtig vor/zurück, bis das Bild scharf wird.